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Das Haus der Kunst in München

Streit um ein bauliches Erbe aus der Frühzeit der nationalsozialistischen Diktatur

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Die Planungen für den Umbau des von Ludwig Troost entworfenen Hauses der Kunst in München (erbaut 1933-1937) durch den englischen Architekten David Chipperfield haben Grundsatzfragen aufgeworfen: Wie soll ein Schlüsselgebäude der NS-Architektur, das in der Nachkriegszeit überformt wurde, heute behandelt werden? Welche Gefahren gehen von einem solchen Gebäude aus, gerade in einer Zeit zunehmender Rechtsentwicklung? Durch welche Eingriffe können diese Gefahren gebannt werden? Aber auch: Wer bestimmt die Antworten auf solche Fragen? Und auf welcher Argumentationsebene wird dieser Streit geführt? Dass einige dieser Fragen auch die öffentliche Debatte über das gedruckte Hauptwerk der Diktatur – „Mein Kampf“ – beherrscht haben, ist vielsagend.

Die Debatte um das Haus der Kunst betrifft keinen Einzelfall. Wir stehen seit einigen Jahren ganz offensichtlich an einer Schwelle hinsichtlich des Umgangs mit dem baulichen nationalsozialistischen Erbe: In Nürnberg wird über die Sanierung des Reichsparteitagsgeländes gestritten, auf dem Obersalzberg wird an einer neuen Form der Erinnerung gearbeitet, in Prora ist der Durchbruch zur erfolgreichen Vermarktung des KdF-Kolosses gelungen, in Berlin wird die Nutzung und Gestaltung des Hauptgebäudes des Flughafen Tempelhofs samt Vorplatz ohne jede Aufregung erörtert. Und in Weimar, der einzigen Stadt, in der ein Gauforum nicht nur geplant, sondern auch gebaut worden ist, wird vor dem Hintergrund der Errichtung des neuen Bauhausmuseums eine langfristige Umnutzung der Gauforums-Bauten und deren Außenräume diskutiert.

Erstaunlich ist, dass all diese wichtigen Debatten weitgehend isoliert und lokal verlaufen. Bemerkenswert ist weiter, dass sie, trotz der internationalen Dimension der Akteure in München, ohne jeden Blick auf Umgangsformen in anderen Ländern verlaufen – etwa in Rom, wo der Hauptbau des EUR-Geländes, der Palazzo della Civiltà Italiana, ebenfalls als Ausstellungsbau geplant, heute von der Modemarke Fendi als Kult-Location genutzt wird, in Predappio, dem Geburtsort Mussolinis, wo aus dem ehemaligen Parteigebäude Casa del Fascio ein Museum des italienischen Faschismus werden soll, oder in Moskau, wo die Gebäude der Allunionsausstellung der Stalinzeit Bausteine eines neuen kulturellen Zentrums werden sollen, wie wir nicht zuletzt auf der letzten Architekturbiennale in Venedig sehen konnten.

Im Folgenden wird der Streit um den angemessenen Umgang mit dem Haus der Kunst in München anhand einiger Stellungnahmen dokumentiert.

Schönheit verpflichtet
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2016
http://www.sueddeutsche.de/kultur/haus-der-kunst-schoenheit-verpflichtet-1.3198836

Sprengen oder aufhübschen: Wie geht es weiter mit dem Haus der Kunst?
Augsburger Allgemeine, 14.10.2016
http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Sprengen-oder-aufhuebschen-Wie-geht-es-weiter-mit-dem-Haus-der-Kunst-id39355597.html

Sanieren oder sprengen?
ART, das Kunstmagazin, 19.10.2016
http://www.art-magazin.de/architektur/17605-rtkl-debatte-um-haus-der-kunst-sanieren-oder-sprengen

“So gut wird in München schon lange nicht mehr gebaut”
Abendzeitung, 07.11.2016
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.stephan-braunfels-ueber-das-haus-der-kunst-so-gut-wird-in-muenchen-schon-lange-nicht-mehr-gebaut.868935ab-8be0-4485-a514-673500111504.html

Traumschiff des Führers
Süddeutsche Zeitung, 10.12.2016
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/haus-der-kunst-in-muenchen-das-traumschiff-des-fuehrers-1.3287962

Ein Weckruf
Süddeutsche Zeitung, 10.12.2016
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/nazi-architektur-eine-neue-chance-fuer-das-muenchner-haus-der-kunst-1.3287960

Ein Weckruf – und sein Widerhall
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2016
http://www.sueddeutsche.de/kolumne/haus-der-kunst-ein-weckruf-und-sein-widerhall-1.3294377

Ignorante Erregung
db deutsche bauzeitung 02|2017, 10.1.2017
http://www.db-bauzeitung.de/aktuell/diskurs/ignorante-erregung/

Kunst ist stärker als NS-Geschichte
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2017
http://www.sueddeutsche.de/kultur/haus-der-kunst-zeigen-und-verbergen-1.3355953

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Haus der Kunst, Rückseite. Foto: HB 2012.

 

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Angiolo Mazzoni. Architekt der italienischen Moderne

Book by Katrin Albrecht, 399 pages, Berlin: Reimer, 2017

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Wer kennt heute schon Angiolo Mazzoni? Einen der wichtigsten Architekten des faschistischen Italien, eines Landes, das neben der Sowjetunion Stalins am stärksten das eigene Land in der Zwischenkriegszeit durch Architektur und Städtebau verändert hat! Selbst in Italien ist Mazzoni weithin vergessen. Und dies, obwohl oder vielleicht sogar weil sein Werk – vor allem Bahnhofs- und Postgebäude – die wenngleich widersprüchliche Modernisierung Italiens durch die Diktatur widerspiegelt.

Hier zeigt sich die lange baugeschichtliche Vernachlässigung des Themenfelds Infrastruktur, in besonderem Maße bei diktatorischen Regimes, obwohl gerade die Kommunikations-Infrastruktur für das städtebauliche Programm von Diktaturen eine Schlüsselrolle spielte. Doch der Frage nach der Art und Weise der infrastrukturellen Modernisierung in diktatorischen Regimes ist die Fachwelt oft aus dem Wege gegangen. Der Blick auf monumentale Bauten und städtebauliche Projekte hat den Blick auf andere diktatorische Schlüsselprojekte – etwa Häfen, Eisenbahnsysteme, U-Bahnen, Flughäfen – getrübt.

(aus dem Vorwort von Harald Bodenschatz)

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urbanHist | 20th Century European Urbanism

European Joint Doctorate Programme, Horizon 2020 Marie Skłodowska-Curie.

Bauhaus-Universität Weimar (Germany)
Blekinge Tekniska Högskola (Sweden)
Universidad de Valladolid (Spain)
Univerzita Pavla Jozefa Šafárika v Košiciach (Slovakia)

15 PhD positions offered – Application Deadline 15.12.16

Max Welch Guerra, Bauhaus-Universität Weimar, max.welch@uni-weimar.de

Download call for applications > urbanhist_announcement-15phdpositions

El urbanismo bajo las dictaduras en el siglo XX

Conference panel (24) at the PRIMER CONGRESO IBEROAMERICANO DE HISTORIA URBANA, Santiago de Chile, November 23-25, 2016

Coordinated by Ana Tostões and Max Welch Guerra

Ana Tostões, Técnico-Universidade de Lisboa, ana.tostoes@tecnico.ulisboa.pt
Max Welch Guerra, Bauhaus-Universität Weimar, max.welch@uni-weimar.de

Download programme > El urbanismo bajo las dictaduras en el siglo XX

Städtebau und Herrschaftssicherung im frühen Franquismus

Lecture by Max Welch Guerra, Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin

Max Welch Guerra, Bauhaus-Universität Weimar, max.welch@uni-weimar.de

Donnerstag, 3. 11. 2016
19.00 Uhr
Simón-Bolívar-Saal

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Dagli inizi dell’urbanismo teorico alla città moderna. Visioni urbanistiche del totalitarismo – Italia

Article by Pier Giorgio Massaretti, originally appeared in German in: Anthologie zum Städtebau. Das Phänomen Großstadt und die Entstehung der Stadt der Moderne (II.2), edited by Vittorio Magnago Lampugnani, Katia Frey, and Eliana Perotti. Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2014, 1307-1390.

Pier Giorgio Massaretti, University of Bologna, piergiorg.massaretti@unibo.it

La prima edizione di questo testo è apparsa, in tedesco, nel volume II.2.: Anthologie zum Städtebau. Das Phänomen Großstadt und die Entstehung der Stadt der Moderne, a cura di Vittorio Magnago Lampugnani, Katia Frey, Eliana Perotti, con il sostegno di Departement Architektur der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Zürich (Gebr. Mann Verlag, Berlin 2014, pp. 1307-1390). Previ specifici accordi con l’editore, viene qui presentata la versione originaria, in italiano, dell’intero capitolo: Modernität und Emphase. Städtebau im italienischen Faschismus, e comprendente: i) una capiente saggio introduttivo – in una versione più ampia ed articolata (comprensiva della “Bibliografia sistematica”, di riferimento) del testo in tedesco; ii) la versione in italiano del repertorio antologico di riferimento – e comprensiva di una “Scheda introduttiva”, sull’Autore-Opera, e di una selezione del testo in esame.

Download article > dagli-inizi-dellurbanismo-teorico-alla-citta-moderna

La ri-fondazione della Libia balbiana (1933-1939). Il poderoso racconto fotografico dei “Ventimila”

Article by Pier Giorgio Massaretti, in: Città mediterranee in trasformazione. Identità e immagine del paesaggio urbano tra Sette e Novecento, edited by Alfredo Buccaro, and Cesare de Seta. Naples: Edizioni Scientifiche Italiane, 2014, 1085-1098. Conference proceedings, „VI Convegno Internazionale di Studi. 7. Le trasformazioni del paesaggio nella fotografia e nella cinematografia“, organized by CIRICE (Centro Interdipartimentale di Ricerca sull’Iconografia della Città Europea). Naples, March 13-15, 2014.

Pier Giorgio Massaretti, University of Bologna, piergiorg.massaretti@unibo.it

La prima edizione di questo testo è apparsa negli atti del VI Convegno Internazionale di Studi del CIRICE – Centro Interdipartimentale di Ricerca sull’Iconografia della Città Europea − Università di Napoli Federico II, (Napoli, 13-15 marzo 2014), dal titolo: Città mediterranee in trasformazione. Identità e immagine del paesaggio urbano tra Sette e Novecento, a cura di A. Buccaro e C. de Seta (Collana: Polis, 6; Napoli: Edizioni Scientifiche Italiane, 2014; pp. 1216; ISBN 9788849528145), all’interno della sessione 7, Le trasformazioni del paesaggio urbano nella fotografia e nella cinematografia, coordinatori: F. Capano, M. Iuliano, pp. 1085-1098. Il Convegno, aperto a studiosi di ambito nazionale e internazionale, si poneva l’obiettivo di fare il punto sulla storiografia riguardante la città mediterranea in età contemporanea, con particolare riferimento alla sua identità, struttura e immagine, dall’inizio dell’industrializzazione all’età post-illuminista e borghese, fino ai temi inerenti l’evoluzione/involuzione del territorio e del paesaggio post-industriale, nonché lo sviluppo del modello turistico tra Otto e Novecento.

[Dall’Introduzione]
Nell’ottobre 1938, all’apice del successo nazionale e della notorietà internazionale che investiva il suo trasversale governatorato in Libia, Italo Balbo diede inizio all’epocale trasmigrazione «di massa» dei coloni rurali nazionali nell’oltremare italiano. E con intelligente capacità manageriale, attivò parallelamente una mirata compagna fotografica destinata a divulgare tale “biblico” passaggio del Mediterraneo da parte di oltre ventimila contadini italiani, così impegnati nella spettacolare «colonizzazione demografica» della Libia. Una puntuale rendicontazione visiva elaborata in oltre duecento scatti in bianco e nero (in parte depositata presso l’oggi irraggiungibile “Archivio Fotografico” dell’Istituto Italiano per l’Africa e l’Oriente, Roma). Un pacchetto fotografico poi opportunamente selezionato per allestire l’edizione straordinaria del numero unico della rivista «Libia», 1939 (a cui farò riferimento), dall’illuminante titolo: I ventimila. Documentario fotografico della prima migrazione in massa di coloni in Libia per il piano di colonizzazione demografica intensiva – Anno XVI/1938.

Se, in ambito nazionale ed internazionale, l’ancora troppo rarefatta bibliografia di settore ha comunque già restituito con precisione le complesse dinamiche di fondazione “materiale” del network di quei villaggi e presidi agricoli libici che ancor’oggi costituiscono un patrimonio testimoniale di grande interesse disciplinare, con questa mia puntuale indagine intendo invece concentrarmi nella microscopica ottimizzazione del modello di ri-fondazione “immateriale” degli stessi territori, ed icasticamente rappresentato da quel raffinato apparato fotografico ed iconografico che venne, con rara cura retorica e spettacolare, appositamente sviluppato.

Download article > la-ri-fondazione-della-libia-balbiana-1933-1939

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Il villaggio “Oliveti”. Fonte: I ventimila. Documentario fotografico della prima migrazione in massa di coloni in Libia per il piano di colonizzazione demografica intensiva – Anno XVI/1938, numero monografico della rivista «Libia», del 1939.

 

Spazio sacro e fondazione della comunità. Il tragico òikos dei villaggi di fondazione del fascismo

Article by Pier Giorgio Massaretti, in: Città di fondazione e “Plantatio Ecclesiae”, edited by Pasquale Culotta, Giuliano Gresleri, and Glauco Gresleri. Bologna: Compositori, 2007, 214-236.

Pier Giorgio Massaretti, University of Bologna, piergiorg.massaretti@unibo.it

La prima edizione di questo testo è apparsa − in una versione più ridotta −, nel volume: Pasquale Culotta, Giuliano Gresleri, Glauco Gresleri (a cura di), Città di fondazione e “Plantatio Ecclesiae”, Compositori, Bologna 2007, pp. 214-236. Un nutrito pool nazionale, specializzato sulle “Città di fondazione”, in Italia e nelle sue ex-colonie, si è misurato sul tema con una complessa storiografia interdisciplinare, che poneva al centro della sua diagnosi una connotazione teologico-ecumenica – la Plantatio Ecclesiae, appunto – della fenomenologia urbana della fundatio.

Download article > spazio-sacro-e-fondazione-della-comunita

Hauptstadt und Diktatur – Städtebau in Berlin, Rom, Lissabon, Moskau, Madrid

Publication by Harald Bodenschatz, with contributions from Christian von Oppen, Thomas Flierl, Max Welch Guerra, and Tilman Harlander, 72 pages, 21 images, Berlin: Werkbund Berlin und DOM publishers, 2016

Christian von Oppen, Technische Universität Berlin, Christian.vonOppen@metropolitanstudies.de

Die Publikation erschien anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Werkbundes Berlin (2. bis 30. September 2016 in der Werkbund Galerie, Goethestraße 13, 10623 Berlin). Sie fasst einige Ergebnisse der langjährigen Forschung von Harald Bodenschatz zum Städtebau der Diktaturen während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fünf europäischen Hauptstädten zusammen. Im Mittelpunkt stehen 20 Fotografien, die für ein vielschichtiges Verständnis von Städtebau und Diktatur werben, das über „monumentale Bauten“ und „große Achsen“ hinausgeht. Neben realisierten oder zerstörten städtebaulichen Formen sowie Gebäuden, Gebäudedetails und öffentlichen Räumen von städtebaulicher Bedeutung werden auch gesellschaftliche Programme, Projekte, Ausstellungen und Medien angesprochen, die dem Städtebau der Diktaturen dienten oder diesen befeuerten, ebenso Akteure und Adressaten, nicht zuletzt auch Wirkungen, Wertungen und bauliche wie künstlerische Umgangsformen bis heute. Dabei zeigen sich immer wieder internationale Zusammenhänge: Städtebau und Diktatur – das ist nicht nur und nicht in erster Linie ein nationales Thema.

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Im Schatten von Albert Speer: Der Architekt Rudolf Wolters

Book by André Deschan, 288 pages, 297 images. Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2016

Book presentation
Thursday, October 6, 2016. 7 pm
Topgraphie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Download invitation > einladung_buchvorstellung_wolters

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Das Buch von André Deschan thematisiert in einer tagebuchgeleiteten Biographie Leben und Werk eines bedeutenden deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts, zugleich eines der wichtigsten Architekten der nationalsozialistischen Diktatur, der aber auch vor 1933 in der Weimarer Republik und in der Sowjetunion sowie nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland tätig war. Als Stellvertreter und in vielen Dingen „rechte Hand“ von Albert Speer hatte er einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Entwicklung von Städtebau und Architektur in der nationalsozialistischen Zeit.

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