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The Routledge Companion to Italian Fascist Architecture: Reception and Legacy

Book edited by Kay Bea Jones and Stephanie Pilat. 567 pages, New York: Routledge, 2020

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

“Today, nearly a century after the National Fascist Party came to power in Italy, questions about the built legacy of the regime provoke polemics among architects and scholars. Mussolini’s government constructed thousands of new buildings across the Italian Peninsula and islands and in colonial territories. From hospitals, post offices and stadia to housing, summer camps, Fascist Party Headquarters, ceremonial spaces, roads, railways and bridges, the physical traces of the regime have a presence in nearly every Italian town.

The Routledge Companion to Italian Fascist Architecture investigates what has become of the architectural and urban projects of Italian fascism, how sites have been transformed or adapted and what constitutes the meaning of these buildings and cities today. The essays include a rich array of new arguments by both senior and early career scholars from Italy and beyond. They examine the reception of fascist architecture through studies of destruction and adaptation, debates over reuse, artistic interventions and even routine daily practices, which may slowly alter collective understandings of such places. Paolo Portoghesi sheds light on the subject from his internal perspective, while Harald Bodenschatz situates Italy among period totalitarian authorities and their symbols across Europe. Section editors frame, synthesize and moderate essays that explore fascism’s afterlife; how the physical legacy of the regime has been altered and preserved and what it means now. This critical history of interpretations of fascist-era architecture and urban projects broadens our understanding of the relationships among politics, identity, memory and place.

This companion will be of interest to students and scholars in a range of fields, including Italian history, architectural history, cultural studies, visual sociology, political science and art history.”

Städtebau unter Salazar. Diktatorische Modernisierung des portugiesischen Imperiums 1926-1960

Book edited by Harald Bodenschatz and Max Welch Guerra. Authors: Christian von Oppen and others, 496 pages, about 600 illustrations, Berlin: DOM publishers, 2019

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Max Welch Guerra, Bauhaus-Universität Weimar, max.welch@uni-weimar.de

Christian von Oppen, Bauhaus-Universität Weimar, christian.von.oppen@uni-weimar.de

Am westlichen Rand Europas hielt sich über Jahrzehnte eine heute vergessene Diktatur: die Herrschaft Salazars in Portugal. Dieses Buch legt den ersten Gesamtüberblick über den Städtebau jener Diktatur vor. Das ist ein absolutes Novum im europäischen Raum, wo Portugal bislang nur wenig Aufmerksamkeit erhielt. Portugal liegt uns aber näher, als viele denken, die dortige Diktatur war keine einsame Insel am Rande Europas. Und Städtebau spielte eine zentrale Rolle auch für diese Diktatur. Salazars Portugal hat europäische Städtebaugeschichte mitgeschrieben. 

Das Buch spannt ein weites Spektrum auf: Es zeigt die konkreten Planungen und Projekte des diktatorischen Städtebaus in Portugal sowie ihre einzigartigen institutionellen Bedingungen; es verdeutlicht den Städtebau in den beiden großen Städten Lissabon und Porto, aber auch in den kleinen Städten und auf dem Lande. Und es thematisiert den Städtebau der beiden großen Kolonien in der Zeit der Diktatur: Angola und Moçambique. 

Die Auseinandersetzung mit den Diktaturen Europas erfordert, so die Botschaft des Buches, von Anfang an eine europäische Sichtweise, eine europäische Kooperation und eine europäische Interpretation. Das städtebauliche Erbe der Diktaturen Europas bewegt heute wieder Politik, Gesellschaft und Fachwelt.

Urbanismo sob Salazar. A modernização ditatorial do império português 1926-1960

Livro editado por Harald Bodenschatz e Max Welch Guerra. Autores: Christian von Oppen e outros, 496 páginas, à cerca de 600 ilustrações, Berlim: DOM publishers, 2019

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Max Welch Guerra, Bauhaus-Universität Weimar, max.welch@uni-weimar.de

Christian von Oppen, Bauhaus-Universität Weimar, christian.von.oppen@uni-weimar.de

Durante décadas, na orla ocidental de Europa, manteve-se uma ditadura mais longa do que a da Alemanha, Itália e Espanha, hoje esquecida: a dominação de Salazar em Portugal. Este livro apresenta o primeiro panorama completo do urbanismo no contexto desta ditadura. Tal constitui uma novidade absoluta no espaço europeu, onde, até hoje, Portugal tem recebido pouca atenção. Portugal encontra-se, todavia, mais próximo de nós do que muitos julgam, a ditadura que aí existiu não era uma ilha isolada na periferia da Europa. Também nesta ditadura o urbanismo desempenhou um papel central. O Portugal salazarista participou na escrita da história da construção urbana europeia.

Este livro abrange um amplo leque temático: apresenta os planos e projetos concretos do urbanismo ditatorial em Portugal, assim como as suas condições institucionais únicas; ilustra o urbanismo nas duas grandes cidades do país, Lisboa e Porto, bem como em cidades mais pequenas e no meio rural. Tematiza, para além do mais, o urbanismo das duas grandes colónias dos tempos da ditadura: Angola e Moçambique.

A reflexão sobre as ditaduras da Europa requer desde o começo, sendo esta a mensagem do livro, uma perspetiva europeia, uma cooperação europeia e uma interpretação europeia. O legado do urbanismo das ditaduras europeias move hoje de novo a política, a sociedade e a comunidade profissional.

Mehr als nur eine Provinzposse: Ikone des deutschen Nachkriegsstädtebaus überformt mit Element aus der NS-Stadtplanung – die Treppenstraße in Kassel

Eine Stellungsnahme von:

Folckert Lüken-Isberner, freelance historian and urban researcher, lueken-isberner@t-online.de, CV

Die 1950er Jahre-Wiederaufbaustadt Kassel leistet sich einen Coup. Die dortige Treppenstraße, international als Ikone der neuen Architekturauffassung nach der Befreiung vom Faschismus gehandelt, wird mit einem Fremdkörper überformt, der den Stadtplanungen für die Gauhauptstadt entlehnt ist. Dafür fungiert ein Kunstwerk der letzten documenta: ein Obelisk, dessen temporärer Standort auf der Suche nach einer neuen Bleibe dorthin verlegt wird. Er ist so dominant, dass er die neue Deutungshoheit über den unter Denkmalschutz stehenden Stadtraum der 1950er Jahre übernimmt. Noch bis in das Jahr 1946 (!) aber war hier eine mit mehreren Stelen ausgestattete Mega-Achse aus der NS-Planung vorgesehen. Die Denkmalpflege lehnt den Standort deswegen ab, doch ein autokratischer Weisungsakt von oben sorgt für einen nun manifest gewordenen öffentlichen Ort der nachhaltig irritierenden Erinnerungskultur. 

 

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Der Obelisk auf seinem neuen Standort auf der Mittelachse der Treppenstraße 2019 (Foto: Folckert Lüken-Isberner)

Download full text (in German): Ikone des deutschen Nachkriegsstädtebaus überformt mit Element aus der NS-Stadtplanung – die Treppenstraße in Kassel

 

Re-Inhabiting Cold War NATO Bases – Valorization and Reuse of the NATO Base West Star (Site B)

International Summer School
University of Brescia, Italy
September 9th – 15th 2019

Eliana Perotti, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, eliana.perotti@gta.arch.ethz.ch

 

Info:
olivia.longo@unibs.it
http://issre-incowanaba.unibs.it

Download Flyer > Re-Inhabiting Cold War NATO Bases – Valorization and Reuse of the NATO Base West Star (Site B)

 

Universitätsarchitektur und Diktatur – Eine europäische Perspektive

Lecture by Harald Bodenschatz
Open Lecture Series “Bauen für die Wissenschaft” (Technische Universität Berlin)
Thursday, May 16, 2019, 6 pm
Humboldt-Universität, Berlin, Unter den Linden 6, HS 1072

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Neue Universitätsstädte waren ein zentrales Thema des Städtebaus im 20. Jahrhundert, in Europa, vor allem aber auch in den USA. Besondere Aufmerksamkeit auf den Bau neuer Universitätsstädte legten die europäischen Diktaturen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die città universitaria in Rom ist zweifellos das bekannteste Beispiel einer solchen Neugründung. Universitätsstädte werden in der europäischen Städtebaugeschichtsschreibung bis heute oft übersehen, vor allem der Bau von Universitätsstädten in diktatorischen Systemen. Universitätsstädte scheinen nicht in das verbreitete Bild von Diktaturen zu passen, die oft als rückwärtsgewandt, antimodern, stagnierend, als Totengräber der Wissenschaften gezeichnet werden. Eine solche Sichtweise verkennt den Charakter der Diktaturen. Für die Durchsetzung ihrer Programme, ihrer Wege zur Modernisierung waren sie auf Experten dringend angewiesen, möglichst auf Experten, die nicht mehr aus der Zeit vor den Diktaturen stammten.

Download invitation > Bodenschatz_Universitätsarchitektur und Diktatur

Technische Hochschule von Lissabon_Bodenschatz

Technische Hochschule von Lissabon (Instituto Superior Técnico), von Pardal Monteiro geplant und errichtet 1928 bis 1937. Foto Harald Bodenschatz, 2012, CC BY-NC-ND 4.0

Das Gauforum Weimar. Erinnerungsraum und Geschichtszeichen des Nationalsozialismus

Conference
Bauhaus-Universität Weimar, Geschwister-Scholl-Straße 8, Oberlichtsaal
December 6-7, 2018
Organized by Christiane Wolf, Justus H. Ulbricht and Norbert Korrek

Christiane Wolf, Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und der Planung, christiane.wolf@uni-weimar.de
Norbert Korrek, Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und der Planung, norbert.korrek@uni-weimar.de
Mit der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums und der Wiedereröffnung des Neuen Museums durch die Klassik Stiftung Weimar im April 2019 wird nördlich der Weimarer Altstadt ein Ensemble von Ausstellungsorten entstehen, an denen die »Moderne des 20. Jahrhunderts« thematisiert werden soll. Ab 2020 wird zudem die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in einer Dauerausstellung an das NS-System der Zwangsarbeit erinnern.

Städtebaulich dominiert wird die zukünftige Museenlandschaft um den Jorge-Semprún-Platz von einer Hinterlassenschaft des »Dritten Reiches«, dem einzigen fast fertiggebauten »Gauforum« als geplanten Machtsitz der NS-Eliten im »Trutzgau Thüringen«.

Das Ensemble aus drei Verwaltungs- und Repräsentationsbauten, einem Aufmarschplatz und einer Versammlungshalle gilt als Prototyp für alle geplanten Gauforen in den Gauhauptstädten Deutschlands. Dadurch erklärt sich das Engagement von Adolf Hitler, der sich persönlich an der Entwicklung des Bauprogramms beteiligte und für die Realisierung einsetzte.

Seit 1999 erinnert eine kleine Ausstellung »Das Gauforum in Weimar – Ein Erbe des Dritten Reiches« an die Geschichte des Ortes. Bis September 2019 wird die Dauerausstellung durch die Kuratoren Norbert Korrek, Justus H. Ulbricht und Christiane Wolf auf den aktuellen Stand der Forschung gebracht und neu konzipiert.

Auf dem Kolloquium werden neue museumspädagogische, ästhetische und erinnerungskulturelle Denkansätze im Umgang mit dem architektonischen und ideologischen »Erbe des Dritten Reiches« vorgestellt und im Kontext der Lokal-, Regional- und Nationalgeschichte öffentlich diskutiert.

Mit Fachbeiträgen von Florian Dierl (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg), Bernhard Gelderblom (Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V.), Kirsten John-Stucke (Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg), Sven Keller und Albert Feiber (Institut für Zeitgeschichte – Dokumentation Obersalzberg), Winfried Nerdinger (Gründungsdirektor NS-Dokumentationszentrum München), Winfried Speitkamp (Präsident Bauhaus-Universität Weimar), Stefan Wunsch (NS-Dokumentation Vogelsang) und dem Kuratorenteam der Ausstellung »Das Gauforum in Weimar« .

Abendvortrag von Étienne François (Freie Universität Berlin) – Der europäische Platz als Erinnerungsraum. Es begrüßen Winfried Speitkamp (Präsident der Bauhaus-Universität Weimar), Claudia Kolb (Beigeordnete für Bauen und Stadtentwicklung der Stadt Weimar) und Frank Roßner (Präsident Thüringer Landesverwaltungsamt).

Auf dem Podium vertreten sind Wolfgang Kil (Architekturtheoretiker Berlin), Daniel Logemann (Gedenkstätte Buchenwald), Julia Miehe (Stadt Weimar), Winfried Speitkamp, Justus H. Ulbricht, Ulrike Bestgen (Klassik Stiftung Weimar). Die Moderation führt Hans-Rudolf Meier (Bauhaus-Universität Weimar).

Konzeption und Organisation
Norbert Korrek, Justus H. Ulbricht, Christiane Wolf

Download programme > Einladung Kolloquium 2

Einladung Kolloquium 2-1.jpg

 

Wenig beachtet, ja verdrängt und vergessen: Diktatur, Architektur und Städtebau in Portugal und Spanien

Lecture by Harald Bodenschatz
Munich, Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Tuesday, October 9, 2018, 7 pm
Introduction by Winfried Nerdinger

Harald Bodenschatz, Technische Universität Berlin, harald.bodenschatz@tu-berlin.de

Die Menschen der iberischen Halbinsel mußten im 20. Jahrhundert Jahrzehnte dauernde Diktaturen ertragen: diejenige Salazars (1928-1968) und die
Francos (1939-1975). Für die Stabilität nicht nur dieser sehr unterschiedlichen Diktaturen hatten Städtebau und Architektur eine große Bedeutung – als eigentlicher Bauprozeß, aber auch als Medium der Propaganda. Eine der bedeutendsten Propaganda-Ausstellungen in Europa während der Zeit des Zweiten Weltkriegs war die »Ausstellung der Portugiesischen Welt« (1940) in Lissabon. Nur ein Jahr später präsentierte sich Hitlers Deutsches Reich mit der Ausstellung »Neue Deutsche Baukunst« ebenfalls in Lissabon – eine Art Kulturinvasion. Die deutsche Ausstellung wurde ein Jahr später auch in Madrid gezeigt, gleichzeitig mit der ersten eigenen Propaganda-Ausstellung
zum spanischen Städtebau seitens der Franco-Diktatur. Dieses Ausstellungsquartett wird – zusammen mit Fragen der Erinnerungskultur – im Zentrum des Vortrags stehen. Harald Bodenschatz ist Stadtplaner und Soziologe sowie Prof. a.D. für Architektursoziologie an der TU Berlin. »Städtebau und Diktatur« (in der Sowjetunion, in Italien, Portugal, Spanien und Deutschland) zählt zu seinen Forschungsschwerpunkten.

Download invitation > Wenig beachtet, ja verdrängt und vergessen: Diktatur, Architektur und Städtebau in Portugal und Spanien

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Valle de los Caídos, Photograph by Harald Bodenschatz 2012, CC BY-NC-ND 4.0

Progetti abitativi a Venezia, 1922-1939. Prodotti e condizioni di produzione dell’edilizia abitativa durante il fascismo italiano

Tesi di laurea di Jannik Noeske
Bauhaus-Universität Weimar
Titolo originale „Venedigs Wohnbauprojekte 1922-1939. Produkte und Produktionsverhältnisse des Wohnungsbaus im italienischen Faschismus“
Corso di laurea „Bachelor Urbanistik“, 2017

Jannik Noeske, Bauhaus-Universität Weimar, jannik.noeske@uni-weimar.de

Durante il periodo a cavallo tra le due guerre, la famosa città storica di Venezia ha subìto profondi cambiamenti. Accanto alla realizzazione di progetti edilizi culturali e infrastrutturali, troviamo anche l’edificazione di quartieri residenziali. Questa tesi di laurea esamina quattro progetti abitativi eseguiti durante il ventennio fascista. Questi sono: Sant’Elena, costruito dal 1923 nella parte sud-orientale della città lagunare; Santa Marta, edificato al contempo nella parte industriale a sud-ovest; San Girolamo, quartiere minore e semplice, eretto nella parte nord-occidentale a partire dal 1929; la Celestia, ultimo quartiere costruito prima della caduta del regime, influenzato dalla razionalizzazione dell’edilizia abitativa alla fine degli anni ‘30. Per l’esecuzione di tutti i progetti fu responsabile l’istituto per le case popolari Venezia (IACP).

Un punto cardine del lavoro di ricerca è costituito dall’analisi delle condizioni di produzione dell’urbanistica e dell’edilizia abitativa durante questi anni. A tale scopo, non sarebbe bastato rivolgere unicamente l’attenzione allo sviluppo economico, urbanistico e culturale della città di Venezia – e in particolare della città lagunare, divenuta «centro storico» a causa dell’espansione industriale e amministrativa verso la terraferma. Nei progetti analizzati è possibile, infatti, riscontrare l’influenza del regime fascista, ma anche dei gruppi sociali che da esso hanno tratto vantaggio, sullo sviluppo urbano e sulla politica abitativa in Italia. Vengono pertanto esaminate le politiche dell’economia abitativa e della modernizzazione edilizia, come anche le politiche sociali del governo fascista. A causa di evidenti contraddizioni, in quegli anni non fu possibile portare avanti una politica urbana coerente. In questo ebbero un ruolo fondamentale i piani risalenti al periodo prefascista, che venivano implementati durante la dittatura, attori prettamente interessati al contesto locale e priorità economiche.

Viene preso in considerazione, non da ultimo, il contesto europeo nel quale nacquero questi quartieri. Come vennero presentati al pubblico internazionale? Quali furono le reti e le piattaforme che influenzarono la produzione di edilizia abitativa a Venezia tra il 1922 e il 1939?

Venedigs Wohnbauprojekte 1922-1939. Produkte und Produktionsverhältnisse des Wohnungsbaus im italienischen Faschismus

In den Zwischenkriegsjahren erfuhr die weltbekannte Altstadt von Venedig zahlreiche Veränderungen. Nicht nur kulturelle und infrastrukturelle Bauprojekte wurden durchgeführt, es entstanden auch Wohngebiete. Die Abschlussarbeit untersucht vier Quartiere, die zur Zeit des faschistischen Regimes in der Altstadt von Venedig realisiert wurden. Das sind Sant’Elena, ab 1923 im Südosten der lagunaren Altstadt errichtet und Santa Marta, zeitgleich im industriellen Südwesten gebaut sowie San Girolamo, ein kleines und einfaches Wohngebiet im Nordwesten, das ab 1929 entstand und Celestia, als letztes der Gebiete schon deutlich von Rationalisierungsbestrebungen geprägt und erst Ende der 1930er Jahre errichtet. Für alle diese Wohngebiete zeichnet sich das Istituto autonomo per le case popolari Venezia verantwortlich.

Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Produktionsverhältnisse der Stadtentwicklung und des Wohnungsbaus dieser Jahre gelegt. Hierfür waren nicht nur die wirtschaftliche, städtebauliche und kulturelle Entwicklung der Stadt Venedig – und hier besonders die Rolle der Altstadt – von Bedeutung, die durch die Erweiterung der industriellen Funktionen und administrativen Grenzen auf das Festland erst zum centro storico wurde. Auch der Einfluss des faschistischen Regimes und seiner Profiteure auf die Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik in Italien hat seine Spuren in den Wohngebieten hinterlassen. Hier werden die wohnungswirtschaftlichen, die modernisierungspolitischen und die sozialen Politiken der faschistischen Regierung analysiert. Im Spannungsfeld von fortgeführten Planungen aus vorfaschistischer Zeit, lokal geprägten und fokussierten Akteuren oder wirtschaftlichen Prioritäten konnte dabei keine kongruente Politik ausgebildet werden.

Nicht zuletzt wird auch der europäische Kontext betrachtet, in dem die Wohngebiete entstanden sind. Wie wurden sie vor internationalem Publikum präsentiert und was waren die Netzwerke und Plattformen, die den Wohnungsbau in Venedig zwischen 1922 und 1939 geprägt haben?

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Townscapes in transition. Transformation and reorganization of Italian cities and their architecture in the interwar period

38th annual conference of the American Association for Italian Studies (AAIS)
Sant’Anna Institute, Sorrento, June 14, 2018Session 24

Luigi Monzo, University of Innsbruck, luigi.monzo@uibk.ac.at
Carmen M. Enss, University of Bamberg, carmen.enss@uni-bamberg.de

Social change after WW I led to an accelerated change in the built environment. Within a broad stylistic scope of architectural and urban design projects, the structural ›DNA‹ of Italian historic cities offered a basic planning guideline. Historic paradigms determined not only trends in conservation but guided new approaches to architecture as well as urban and landscape design. The result was not a single strategy to ensure continuity in urban planning and architecture, but a multiplicity of formal principles and trends. The session proposes to clarify what methods Italian architects and urban planners used to take possession of a ‘Roman’ or ‘Italian’ building and planning tradition, and how they accommodated it to the modernization of their country.

The conference languages are Italian and English.

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